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Sicherheit im Lager – den größten Gefahren optimal vorbeugen

Sicherheit am Arbeitsplatz – für Mitarbeiter in Lager- und Logistikhallen ist das Thema lebenswichtig. Schließlich werden in kaum einem anderen Bereich so viele Arbeitsunfälle registriert wie dort. Doch Unternehmen können ihre Beschäftigten schützen.

| Lesedauer: 6min.

Dieses Video ging um die Welt: Gerade noch in Deckung gehen konnte der 40-jährige Lagerarbeiter im sibirischen Krasnoyarsk, bevor mit Alkohol voll beladene Regale über ihm zusammenstürzten, wie die Daily Mail auf ihrer Webseite zeigt. Rettungskräfte befreiten den Mann schließlich. Er wurde mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht. Immer wieder werden spektakuläre Unfälle in Lagerhallen bekannt. Doch nicht alle gehen so glimpflich aus wie dieser.

Regale, Lagergut, Stapler, Flurförderfahrzeuge – die Menge der Gefahrenquellen in Lager und Logistikhallen ist groß. Das hat für die Mitarbeiter verheerende Auswirkungen. Spektakuläre Unfälle ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich, doch auch kleinere und mittlere Verletzungen können langwierige Folgen haben.

  • Lagerberufe zählen zu den Berufszweigen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Arbeitsunfällen.
  • Nur in der Baubranche und im Agrarbereich waren es im Vorjahreszeitraum mehr.

Die Rahmenbedingungen sind dabei nicht einfach: Die Arbeitsabläufe werden immer komplexer, die Arbeitsanforderungen höher, der Druck steigt – und damit das Unfallrisiko. Unternehmen, denen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter am Herzen liegt, haben jedoch wirksame Mittel zur Prävention in der Hand.

Faktor Mensch: Sicher dem Risiko begegnen

Bei den meisten Unfällen in Lagerhallen und Logistikhallen spielt der Faktor Menschen eine entscheidende Rolle. Das hat die BGHW (Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik) ermittelt. Dabei liegen die Hauptursachen entweder in fehlerhafter Arbeitsorganisation oder in der Person des Unfallverursachers.

  • 41 % der Arbeitsunfälle sind auf Organisatorisches wie unangemessene oder fehlende Betriebseinweisung, fehlende Gefährdungsbeurteilung oder fehlende Prüfungen zurückzuführen.
  • 37 % der Ursachen sind dem persönlichen Bereich zuzuordnen. Dabei können individuelle physische oder psychische Defizite genauso eine Rolle spielen wie Verstöße von Beschäftigten gegen Weisungen. Auch die nichtbestimmungsgemäße Nutzung von Arbeitsgeräten fällt in diesen Bereich.
  • 12 % der Unfälle sind durch Natureinwirkungen, Dritteinwirkungen oder Gewalteinwirkungen entstanden, während 10 % auf fehlende oder ungeeignete Schutzeinrichtungen und Arbeitsmittel zurückzuführen sind.

Die Hauptunfallursachen im Lager

Verletzung mit Fahrzeug: Hier liegen Risken

Ob Gabelstapler oder handgetriebene Geräte: Unfälle mit Flurförderfahrzeugen zählen zu den nicht zu unterschätzenden Gefahren. Doch je nach Fahrzeug unterscheidet sich das Verletzungsrisiko erheblich.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn mit einem Stapler gefahren wird, denn hier ist die Unfallgefahr besonders hoch. An rund 70 % Prozent der schweren Unfälle mit Flurfördermitteln waren laut der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) im vergangenen Jahr Stapler beteiligt – und damit so häufig wie kein anderes Flurförderfahrzeug sonst.

Der Frage, ob der Fahrzeugführer verletzt wird, hängt jedoch dramatisch davon ab, ob es sich um einen Stapler oder ein handgetriebenes Flurförderfahrzeug handelt.

Bei Unfällen mit einem Stapler liegt die Wahrscheinlichkeit für den Fahrzeugführer, verletzt zu werden, bei 25 %. Fast die Hälfte der Verletzten sind dagegen Menschen, die vor, neben oder hinter dem Stapler mit anderen Tätigkeiten beschäftigt waren und von dem Fahrzeug erfasst wurden. Dabei hängt auch die Schwere der Verletzung entscheidend mit der Art des Fahrzeugs zusammen: Bei tödlichen Unfällen mit Flurförderfahrzeugen waren im vergangenen Jahr nach Angaben der DGUV zu 100 % Stapler beteiligt.

Die Situation kehrt sich völlig um, wenn es sich dagegen um handgeführte Flurförderfahrzeuge handelt. In diesem Fall ist für den Fahrzeugführer die Wahrscheinlichkeit mit 67 % am höchsten, dass er sich selbst bei dem Unfall verletzt. Für Menschen, die vor, neben oder hinter dem Fahrzeug einer anderen Tätigkeit nachgegangen sind, liegt die Unfallwahrscheinlichkeit in diesem Fall nur bei 17 %.

Falsche Lagerung: Gefahr für Leib und Leben

Bei unsachgemäßer Lagerung der Waren steigt die Unfallgefahr im Lager erheblich. Artikel, die auf einem falschen Untergrund oder nicht stabil abgelegt sind, können bereits bei einer kleinen Erschütterung ins Wanken geraten oder herunterfallen. Sind die Regale schwerer als zulässig beladen, drohen sie umzustürzen oder zusammenzubrechen.

Rutschen oder Stolpern – schnell passiert

Stolpern, weil ein Kabel auf dem Boden liegt, auf Flüssigkeit ausrutschen – Unfälle dieser Art hängen nicht mit typischen Arbeitsbedingungen in Lager- und Logistikhallen zusammen. Allerdings sind sie über alle Branchen hinweg eine der Hauptursachen für Arbeitsunfälle – und finden deshalb auch in hohem Maße in der Lager- und Logistikbranche statt.

Das können Sie besser machen

1. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter, aber richtig

Informierte Mitarbeiter sind sichere Mitarbeiter: Sie halten nicht nur die Augen offen, sondern sind auch sensibilisiert dafür, wo in Lager- und Logistikhallen Gefahren drohen. So können sie nicht nur in der Extremsituation nach einem Unfall angemessen reagieren, sondern sorgen bereits im Vorfeld dafür, dass Gefahrenquellen minimiert und Arbeitsabläufe sicherer gestaltet werden können.

Wie stark Arbeitnehmer gefährdet sind, hängt zuallererst von ihrem Arbeitsplatz ab. Eine wichtige Basis für die Unterweisung ist deshalb die Gefährdungsbeurteilung. Darüber hinaus gibt es Themen wie Erste Hilfe oder das Verhalten im Brandfall, die für alle Mitarbeiter des Unternehmens wichtig sind.

Der richtige Zeitpunkt für Unterweisungen:

  • Die Einstellung von Beschäftigten – oder ihr Wechsel in einen neuen Arbeitsbereich
  • Veränderungen im Arbeitsablauf
  • Besondere Anlässe, beispielsweise nach einem Unfall

Funktionieren wird die Unterweisung allerdings nur, wenn sie nicht nur verständlich formuliert ist, sondern auch die Sicherheitsbedürfnisse der Belegschaft ernst nimmt. Zudem muss sie regelmäßig wiederholt werden (mindestens einmal im Jahr, bei Jugendlichen sogar halbjährlich).

2. Planen Sie Lager- und Logistikhallen gut

Achten Sie bereits bei der Konfiguration Ihrer Halle auf eine ansprechende Gestaltung des Lagerumfeldes. Ausreichend Platz (gemessen am größten eingesetzten Fahrzeug) und optimale Arbeitswege tragen genauso zur Sicherheit Ihrer Mitarbeiter bei wie die angemessene Beleuchtung und eine richtige Beschilderung der Fluchtwege. Nimmt Ihr Lagerbedarf zu, senken Sie nicht Ihre Standards, sondern sorgen Sie durch innovative Hallenlösungen für Platz und damit für Sicherheit.

3. Überprüfen Sie regelmäßig Regale auf Schäden

Ein kleiner Rempler mit dem Stapler – für die Statik eines Regals kann das schon ein großes Problem sein. Führen Sie ein offensives Fehlermanagement ein und untersuchen Sie die Regale auf Beschädigungen. Stellen Sie die Regale standsicher auf, schützen Sie sie gegen Umkippen, und beladen Sie sie nicht stärker als zugelassen. Unterziehen Sie auch unfallunabhängig die Regale immer wieder einer Prüfung. Lassen Sie die Regale in regelmäßigen Abständen von einem Fachmann inspizieren. Anfahrtsschutzprofile bieten zusätzliche Sicherheit.

4. Achten Sie auf die richtige Schutzausrüstung

Rote Karte für die Mitarbeiter, die ohne geeignete Schutzausrüstung Lager- und Logistikhallen betreten – richtig so. Arbeitgeber müssen Schutzkleidung nicht nur bereitstellen, sondern auch dafür sorgen, dass sie getragen wird.

In Lager- und Logistikhallen sind vor allem folgende Kleidungsstücke im Einsatz:

  • Warnwesten
  • Kopfschutz
  • Sicherheitsschuhe
  • Gesichtsschutz
  • Gehörschutz

Auch Handschuhe, Arbeitsanzüge und Wetterschutz wie Jacken und Mützen dienen der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter. Bei der Arbeit mit Gefahrgut aber auch bei erhöhter Geräuschemission gelten besondere Regeln. Die Platzierung an einem günstigen Ort sorgt dafür, dass Mitarbeiter die komplette Ausrüstung schnell greifbar haben und nicht aus Zeitmangel auf Schutzteile verzichten, weil sie an einem anderen Ort gelagert sind.

5. Investieren Sie in die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter

Zwar existieren inzwischen eine Reihe von Hilfsmitteln, die Arbeit in Lager- und Logistikhalle erleichtern. Gleichwohl sind die Mitarbeiter dort besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Vor allem die Kraft, die auf die Wirbelsäule einwirkt, aber auch Überlastungen an Armen und Rumpf können zu langfristigen Schäden führen. Reduzieren Sie den Kraftaufwand für Ihre Mitarbeiter so weit wie möglich und stellen Sie geeignete Hilfsmittel zur Verfügung. Informieren Sie regelmäßig über die optimale Arbeitshaltung. Bieten Sie angemessene Erholungszeiten an und unterstützen Sie Mitarbeiter, die etwas für ihre körperliche Fitness tun möchten.

6. Informieren Sie sich regelmäßig

Gesetzliche Vorgaben beachten – das ist nicht nur der legale, sondern auch der sichere Weg, Mitarbeiter angemessen zu schützen. Immer wieder gibt es jedoch Betriebe, die die Vorgaben nicht richtig umsetzen. Halten Sie sich deshalb auf dem aktuellen Stand, welche Vorschriften für ein Unternehmen Ihrer Größe gelten. Damit sind nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern auch Sie bei einem Arbeitsunfall auf der sicheren Seite,

7. Wenn es doch passiert: Die richtige Ersthilfe

Selbst bei größter Vorsicht lassen sich Unfälle nie ausschließen. Je intensiver Arbeitgeber mit der Belegschaft deshalb im Vorfeld vorbereiten, was zu tun ist, wenn sich ein Mitarbeiter verletzt hat, umso sicherer kann auch in einer Paniksituation die optimale Behandlung gewährleistet werden. Dabei ist vor allem eines wichtig: Zuerst geht es um die Versorgung des Verletzten.

  • Ersthelfer im Unternehmen müssen entsprechend ausgebildet, bekannt und erreichbar sind.
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung auf dem aktuellen Stand ist einfach verfügbar.
  • Notfallnummern dürfen nicht erst gesucht werden, sondern sind zusammen mit den Namen der Ansprechpartner an gut zugänglichen Stellen einzusehen.

Wer wird wann wie informiert? Auch hier ist eine klare Absprache im Vorfeld entscheidend, um keine wertvolle Zeit zu verlieren. Eine Checkliste bietet auch in dieser Extremsituation Sicherheit, dass an alles gedacht und der Unfall entsprechend gemeldet wurde. Damit kann er später auch als Arbeitsunfall anerkannt werden.

Fazit

Die Arbeit in Lagerhallen und Logistikhallen birgt Gefahren. Das Verletzungsrisiko ist dabei stark davon abhängig, an welcher Stelle im Betrieb gearbeitet wird. Arbeitgeber sind gesetzlich dazu verpflichtet, für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen, können darüber hinaus aber noch einiges mehr tun. Durch eine sorgfältige Planung im Vorfeld, entsprechende Ausstattung und eine optimale Schulung können sie das Verletzungsrisiko in Ihrem Unternehmen erheblich reduzieren. Und Mitarbeiter, die sensibel für die Gefahren in ihrer Umgebung sind, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Unfallverhütung: Sie schützen sich und ihre Kollegen.

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