Hochwasser-Hilfe mit mobiler Halle: FSD aus Dresden verleiht Gebäude an Feuerwehr Altenahr

Großherzige Hilfe für die Feuerwehr Altenahr nach dem Jahrhunderthochwasser. Zwei Jahre verzichten die Mitarbeiter der Dresdner FSD GmbH auf ihre neue Prüfhalle. Die Halle wurde in Altenahr aufgebaut. In etwa zwei Jahren kommt sie an die Elbe.

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600 m² große Spende schützt Löschfahrzeuge

Die große Hilfsbereitschaft nach dem gewaltigen Hochwasser im Sommer – das hat den Wehrleiter der VG Altenahr, Frank Linnarz, besonders bewegt. Fahrzeuge, Ausstattung, Material - was die Feuerwehr jetzt nutzen kann, wurde von Firmen, Privatleuten oder Feuerwehren aus dem gesamten Bundesgebiet ins Ahrtal gebracht. Dort hatten die Wehrleute, wie unzählige andere Menschen auch, bei dem gewaltigen Hochwasser im Sommer schwere Schäden erlitten. Mit vielseitiger Unterstützung läuft der Wiederaufbau. Die nach Quadratmetern größte Spende kommt dabei aus Dresden: 20 mal 30 m ist die mobile, frostsichere Herchenbach-Halle groß. Auch wenn die FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH die Halle schon jetzt finanziert, werden die FSD-Mitarbeiter zunächst darauf verzichten. Die Feuerwehr kann den Bau nutzen, bis ihr neues Haus steht. Dann wird die Halle abgebaut und in Dresden wieder aufgestellt. In Altenahr errichte wurde die mobile Halle im November in wenigen Tagen, gerade zur richtigen Zeit, kurz vor den ersten Nachtfrösten.

Sorge in Dresden: „Wo können wir helfen?“

Die FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH aus Dresden hat mit Feuerwehr eigentlich wenig zu tun. Sie entwickelt hochwertige Prüfgeräte, mit denen Fahrzeuge auf Mängel und Verschleiß untersucht werden. So wird der Straßenverkehr sicherer. „Als Firma, aber auch als Privatpersonen haben wir viele Bekannte und Partner im Ahrtal“, sag Geschäftsführer Jürgen Bönninger. „Unsere Mitarbeiter waren alle sehr besorgt und so haben wir unsere Bekannten und Partner angeschrieben: Wo können wir helfen?“ Eine Überlegung der Firma gab den entscheidenden Anstoß: FSD will eine Halle btauen, in der Fahrzeuge für die Prüfung vorbereitet werden. Die Fahrzeugsystemdaten GmbH hatte bereits mit einem anderen Unternehmen geplant. „Dann kam die Idee, ob wir nicht unsere Halle eine Zeitlang der Feuerwehr im Ahrtal zur Verfügung stellen können“, berichtet Bönninger. „Mit Herchenbach haben wir eine Firma gefunden, die die temporäre Halle nicht nur sehr schnell liefern und aufbauen konnte, sondern sie auch nach zwei Jahren einfach an den neuen Standort stellt – das konnte der Wettbewerber nicht“.

Unsere Mitarbeiter waren alle sehr besorgt und so haben wir unsere Bekannten und Partner angeschrieben: Wo können wir helfen?
Jürgen Bönninger
Geschäftsführer FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH

Für Dresden geplant, im Ahrtal genutzt

Die Halle ist für den Standort in Dresden geplant. „Doch unsere Mitarbeiter haben entschieden, für die Menschen im Ahrtal noch zwei Jahre auf ihre Halle zu verzichten“, so Bönninger. So lange wird es nach Ansicht von Experten mindestens dauern, bis die Feuerwehr Altenahr ein eigenes Gebäude nutzen kann. Die FSD-Mitarbeiter arbeiten bis dahin wie bisher im Freien, die Firma finanziert die Halle in dieser Zeit für die Feuerwehr. Doch das ist noch nicht alles: Die Mitarbeiter haben auch einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens zur Verfügung gestellt, um den Flutopfern zu helfen. „Wir haben getan, was uns am Herzen lag“, sagt Bönninger „Aber auch alle, die wir im Ahrtal getroffen haben, waren sehr engagiert.“

Drehleiter steht trocken und frostsicher

Für die Feuerwehr in Altenahr, die für die gesamte Verbandsgemeinde zuständig ist, ist die mobile Halle eine Rettung. Die Löschfahrzeuge sind immer einsatzbereit mit Wasser beladen, das nicht gefrieren darf, die Drehleiter ist mit einer temperaturempfindlichen Sensorik ausgestattet: Sinken die Temperaturen unter null, steigt für die Feuerwehr die Gefahr, dass sie schon wieder Fahrzeuge verliert. Im Sommer waren alleine bei der Feuerwehr Altenahr während der Hochwasser-Katastrophe Fahrzeuge im Wert von 1,3 Millionen Euro vernichtet worden. „Jetzt stehen die Fahrzeuge trocken und frostsicher“, betont Wehrleiter Linnarz und erläutert: „Was uns bei der Halle überzeugt hat, waren die Wände aus Sandwichpaneelen, die sehr gute Wärmedurchgangswerte haben.“ Für die Feuerwehrleute ein Grund, sich wenigstens wegen winterlicher Temperaturen keine Sorgen mehr machen zu müssen.

Aufbau erfolgte innerhalb weniger Tage

Aufgestellt wurde die mobile Leichtbauhalle auf dem Parkplatz Martinshütte an der Bundesstraße, gut erreichbar für die Feuerwehrleute. Doch bevor der Untergrund vorbereitet werden konnte, musste der Platz erst einmal freigeräumt werden. So hoch, wie die mobile Halle jetzt ist, lag Sperrmüll aus dem Hochwassergebiet. Dann wurde der Boden vorbereitet. Ein Fundament musste nicht gegossen werden, die Halle ist mit Erdnägeln verankert. Der eigentliche Aufbau erfolgte innerhalb weniger Tage. „Das ging alles ganz schnell“, sagt Linnarz. Die Halle ist mit sechs Rolltoren ausgestattet und bietet Platz genug für die Fahrzeuge. „Die Halle ist sogar höher als die an unserem alten Standort“, erläutert der Wehrleiter. So kann auch der Drehleiterwagen, den die Feuerwehr jetzt bekommen hat, sicher untergebracht werden. Container sind als Sozialräume, Lager und für das Atemschutztraining vorgesehen.

Test mit mobiler Halle: Passt der Standort?

Die Feuerwehr hat so nicht nur eine Halle für die Übergangszeit. „Wir können jetzt auch testen, ob der neue Standort geeignet ist“, erklärt Linnarz. Weil die Halle stabil und frostsicher, aber trotzdem mobil ist, können die Feuerwehrleute Anfahrtszeiten und Einsatzzeiten beobachten, ohne bereits mit einem festen Bau auf den Standort festgelegt zu sein. Denn während im Ort die Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau mit vereinten Kräften weitergehen, gibt es auch bei der Feuerwehr Altenahr schon Überlegungen, wo eine neue Halle gebaut werden kann. Der Standort der mobilen Halle, über dem Ort auf einer Anhöhe gelegen, hat für den Wehrleiter schon jetzt einen entscheidenden Vorteil: Die Lage ist hochwassersicher.

 

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